Lithprints auf Adox Printfilm geht gut!
#1
Geschrieben 23 April 2006 - 05:06
Liebes Forum,
statt Gejammer, hier mal die Dokumentation eines erfolgreichen Experiments.
Ich habe kürzlich eine Ausstellung mit Lichtkästen gemacht, und habe das Experiment gewagt, Lithprints auf dem Adox Printfilm abzuziehen. Zu meiner eigenen Überraschung hat es sehr gut funktioniert. Der Printfilm wird im Lithentwickler ziemlich steil, deswegen sollte man tendenziell mindestens 3 Blenden überbelichten mit nur wenig Bromidzusatz. Dafür ist der Film sehr anfällig auf Pfefferkorn, weswegen man reichlich Sulfid geben sollte.
Die Ausstellungsabzüge habe ich mit dem folgenden Rezept in Moersch Lith Master Set gemacht
1500 Wasser, 70 A, 70 B, 30 C, 20 D
3 Blenden überbelichten
Entwicklungszeit: 5-7 Min. in 22 Grad
Lichter rosarot, Schatten grünschwarz
Die C-Lösung (Sulfid) war schon seit einiger Zeit geöffnet, und da sie nicht sehr Haltbar ist, ist davon auszugehen, dass bei frisch angebrochenem Ansatz wesentlich kleinere Mengen C reichen. Zu viel C beeinträchtigt die Lichterfarbe und die Schattentiefe
Noch kräftigeres Rosarot/Lila erhält man mit dünnerer Lösung, mehr D und 4 Blenden überbelichten, dann werden die Schatten aber sehr körnig, was schade ist beim Printfilm, der sich sonst gerade durch feinst gezeichnete Details auszeichnet.
Der Printfilm gibt sehr schöne Prints, allerdings kann der rosarote Lichterton kitschig wirken. So einfach wie auf Warmtonpapier ist es allerdings nicht, und wer das selber probieren will, sollte folgendes beachten:
- Die richtige Bestimmung vom snatch point ist schwieriger als beim Fotopapier - die Prints kommen leicht zu spät = zu dicht raus.
- Die Art der Ausstellung und Beleuchtung macht sehr viel aus. Betrachtet man die Prints gegen Licht, erscheinen sie viel dünner als wenn man sie auf einer weißen oder milchigen Unterlage anschaut. Je nach dem, wie der Film ausgestellt und beleuchtet wird, müssen die Abzüge dünner oder Dichter sein. Man sollte sich die Testabzüge unter Ausstellungsbedingungen anschauen, sonst gibt es böse Überraschungen. Grundsätzlich gilt: Was in Durchsicht viel zu dünn wirkt, ist auf schwach durchleuchtetem Papier gerade perfekt. Man sollte auch beachten, dass bei dichteren Prints das Rosarot der Lichter schnell dem Grünschwarz der Schatten und Mitteltöne ausweicht.
- Die ideale Farbe für den Hintergrund, wenn man einen haben möchte, ist Naturweiß. Ich habe auf Extraweiß montiert, weil durchleuchtendes Papier nur in der Farbe im Fachhandel vorrätig war, aber das ist (vor allem in Verbindung mit der verwendeten Tageslichtlampe) ein bisschen kühl für den sonst eher warmen Ton der Prints.
- Printfilm reagiert extrem schnell auf Tonungen. Das heißt, dass man das Grünschwarze der Schatten mittels Selentonung neutralschwarz bekommt, aber dafür werden auch die Lichter purpurblau, und das sekundenschnell. Wenn man also den ursprünglichen Lichterton erhalten will, muss man entweder mit dem Grünschwarzen der Schatten leben, oder mit Tonungszeiten im Sekundenbereich experimentieren.
- Tonung empfiehlt sich folglich kaum für die Arschivsicherheit von Lithprints auf dem Printfilm, wenn man den ursprünglichen Lichterton erhalten will. Ich habe die Prints, die einen Monat lang am Fenster hängen werden und jeden Tag ein paar Stunden lang im Sonnenlicht sind, im Sistan gebadet (leider ist damit mein Vorrat jetzt verbraucht) und mit Tetenal Lichtschutzlack gesprayt. Letzteres hat zur Folge, dass der Film nicht mehr ganz durchsichtig ist, sondern leicht milchig wirkt. Folglich ist Lichtschutzlack nur dann zu empfehlen, wenn die Prints auf Papier, Mattscheibe o.ä. montiert werden, nicht aber für direkte Durchsicht.
Bildbeispiele:
http://www.fotoimpex.de/forum/index.php?ac...&cmd=si&img=127
http://www.fotoimpex.de/forum/index.php?ac...&cmd=si&img=128
Alles Gute,
Samuli
statt Gejammer, hier mal die Dokumentation eines erfolgreichen Experiments.
Ich habe kürzlich eine Ausstellung mit Lichtkästen gemacht, und habe das Experiment gewagt, Lithprints auf dem Adox Printfilm abzuziehen. Zu meiner eigenen Überraschung hat es sehr gut funktioniert. Der Printfilm wird im Lithentwickler ziemlich steil, deswegen sollte man tendenziell mindestens 3 Blenden überbelichten mit nur wenig Bromidzusatz. Dafür ist der Film sehr anfällig auf Pfefferkorn, weswegen man reichlich Sulfid geben sollte.
Die Ausstellungsabzüge habe ich mit dem folgenden Rezept in Moersch Lith Master Set gemacht
1500 Wasser, 70 A, 70 B, 30 C, 20 D
3 Blenden überbelichten
Entwicklungszeit: 5-7 Min. in 22 Grad
Lichter rosarot, Schatten grünschwarz
Die C-Lösung (Sulfid) war schon seit einiger Zeit geöffnet, und da sie nicht sehr Haltbar ist, ist davon auszugehen, dass bei frisch angebrochenem Ansatz wesentlich kleinere Mengen C reichen. Zu viel C beeinträchtigt die Lichterfarbe und die Schattentiefe
Noch kräftigeres Rosarot/Lila erhält man mit dünnerer Lösung, mehr D und 4 Blenden überbelichten, dann werden die Schatten aber sehr körnig, was schade ist beim Printfilm, der sich sonst gerade durch feinst gezeichnete Details auszeichnet.
Der Printfilm gibt sehr schöne Prints, allerdings kann der rosarote Lichterton kitschig wirken. So einfach wie auf Warmtonpapier ist es allerdings nicht, und wer das selber probieren will, sollte folgendes beachten:
- Die richtige Bestimmung vom snatch point ist schwieriger als beim Fotopapier - die Prints kommen leicht zu spät = zu dicht raus.
- Die Art der Ausstellung und Beleuchtung macht sehr viel aus. Betrachtet man die Prints gegen Licht, erscheinen sie viel dünner als wenn man sie auf einer weißen oder milchigen Unterlage anschaut. Je nach dem, wie der Film ausgestellt und beleuchtet wird, müssen die Abzüge dünner oder Dichter sein. Man sollte sich die Testabzüge unter Ausstellungsbedingungen anschauen, sonst gibt es böse Überraschungen. Grundsätzlich gilt: Was in Durchsicht viel zu dünn wirkt, ist auf schwach durchleuchtetem Papier gerade perfekt. Man sollte auch beachten, dass bei dichteren Prints das Rosarot der Lichter schnell dem Grünschwarz der Schatten und Mitteltöne ausweicht.
- Die ideale Farbe für den Hintergrund, wenn man einen haben möchte, ist Naturweiß. Ich habe auf Extraweiß montiert, weil durchleuchtendes Papier nur in der Farbe im Fachhandel vorrätig war, aber das ist (vor allem in Verbindung mit der verwendeten Tageslichtlampe) ein bisschen kühl für den sonst eher warmen Ton der Prints.
- Printfilm reagiert extrem schnell auf Tonungen. Das heißt, dass man das Grünschwarze der Schatten mittels Selentonung neutralschwarz bekommt, aber dafür werden auch die Lichter purpurblau, und das sekundenschnell. Wenn man also den ursprünglichen Lichterton erhalten will, muss man entweder mit dem Grünschwarzen der Schatten leben, oder mit Tonungszeiten im Sekundenbereich experimentieren.
- Tonung empfiehlt sich folglich kaum für die Arschivsicherheit von Lithprints auf dem Printfilm, wenn man den ursprünglichen Lichterton erhalten will. Ich habe die Prints, die einen Monat lang am Fenster hängen werden und jeden Tag ein paar Stunden lang im Sonnenlicht sind, im Sistan gebadet (leider ist damit mein Vorrat jetzt verbraucht) und mit Tetenal Lichtschutzlack gesprayt. Letzteres hat zur Folge, dass der Film nicht mehr ganz durchsichtig ist, sondern leicht milchig wirkt. Folglich ist Lichtschutzlack nur dann zu empfehlen, wenn die Prints auf Papier, Mattscheibe o.ä. montiert werden, nicht aber für direkte Durchsicht.
Bildbeispiele:
http://www.fotoimpex.de/forum/index.php?ac...&cmd=si&img=127
http://www.fotoimpex.de/forum/index.php?ac...&cmd=si&img=128
Alles Gute,
Samuli
"No photograph ever was good, yet, of anybody - hunger and thirst and utter wretchedness overtake the outlaw who invented it! It transforms into desperadoes the meekest of men; depicts sinless innocence upon the pictured faces of ruffians; gives the wise man the stupid leer of a fool, and a fool an expression of more than earthly wisdom." (Mark Twain)
http://www.samuli-schielke.de/foto.htm
http://www.samuli-schielke.de/foto.htm
#3
Geschrieben 24 April 2006 - 09:01
Stimmt. Sulfit. Ich war vom Bromid abgelenkt.
S.
S.
"No photograph ever was good, yet, of anybody - hunger and thirst and utter wretchedness overtake the outlaw who invented it! It transforms into desperadoes the meekest of men; depicts sinless innocence upon the pictured faces of ruffians; gives the wise man the stupid leer of a fool, and a fool an expression of more than earthly wisdom." (Mark Twain)
http://www.samuli-schielke.de/foto.htm
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#6 Gast_Guestnicht eingeloggt_
Geschrieben 26 April 2006 - 09:56
komet sagte am 26-04-06, 13:00:
Erst in einem Monat. Bis ände Mai hängen die Prints eben in den Lichtkästen. Dann stelle ich einen Scan in die Gallerie.
Samuli
#7
Geschrieben 04 April 2007 - 12:00
Es hat ein bisschen gedauert, bis ich dazu gekommen bin, die Prints zu scannen. Hier endlich die vor fast einem Jahr angekündigten Bildbeispiele.
Die bilder stehen hier in der
Galerie des Forums
Alles Gute,
Samuli
Die bilder stehen hier in der
Galerie des Forums
Alles Gute,
Samuli
Dieser Beitrag wurde von Samuli Schielke bearbeitet: 04 April 2007 - 12:01
"No photograph ever was good, yet, of anybody - hunger and thirst and utter wretchedness overtake the outlaw who invented it! It transforms into desperadoes the meekest of men; depicts sinless innocence upon the pictured faces of ruffians; gives the wise man the stupid leer of a fool, and a fool an expression of more than earthly wisdom." (Mark Twain)
http://www.samuli-schielke.de/foto.htm
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#10
Geschrieben 07 April 2007 - 05:33
Zwaanshals in Motion. Auftraggeber und Veranstalter der Ausstellung.
http://www.zimweb.nl/nieuws/index.html
Gruss,
Samuli
http://www.zimweb.nl/nieuws/index.html
Gruss,
Samuli
"No photograph ever was good, yet, of anybody - hunger and thirst and utter wretchedness overtake the outlaw who invented it! It transforms into desperadoes the meekest of men; depicts sinless innocence upon the pictured faces of ruffians; gives the wise man the stupid leer of a fool, and a fool an expression of more than earthly wisdom." (Mark Twain)
http://www.samuli-schielke.de/foto.htm
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