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SW-Film: Kristalle "kleben" auf Emulsionsseite
#1
Hallo zusammen,

bin neu hier im Forum und Wiedereinsteiger beim SW-Film-Entwickeln. In den 90ern war das für mich noch täglich Brot als freier Mitarbeiter bei der Lokalzeitung. Jetzt enwickle ich die Filme und scanne die dann aus Spaß an der Freude, und das klappt soweit auch ganz gut so wie ich mir das vorstelle.

Nur ein seltsames Problem habe ich seit dem Wiedereinstieg, das mir von früher unbekannt ist: Nach Entwicklung und Trocknen kleben Kristalle auf der Emulsionsseite des Films, ähnlich geformt und teils so groß wie Körner aus dem Salzstreuer. Man muss schon richtig kräftig mit einem Tuch auf dem Film herumreiben, um die abzukriegen. Das mache ich (außer testweise) nicht, um Kratzer zu vermeiden, sondern stempele die weißen Flecken lieber in Lightroom raus - zumindest in Landschaftsbildern geht das relativ einfach, bei Gesichtern wird es schwierig. Das scheint ungleichmäßig über den Film verteilt. Das angehängte Bild zeigt ein ungewöhnlich heftig betroffenes Negativ.

Filme, bei denen mir das aufgefallen ist: APX 100 und 400 (noch aus den 90ern übrig), neu: Fomapan 200, HP5+. Nur bei Pan F stelle ich das nicht fest.

Mein Prozess:
- Entwickler Fomadon Excel, meistens 1+1,5; 1l-Packung mit entmineralisiertem Wasser (Kanister vom Supermarkt) als Stammlösung angesetzt, dann auf Arbeitslösung verdünnt mit Brita-gefiltertem Leitungswasser (das ist hier ziemlich kalkhaltig)
- als Stoppbad 80 ml (Küchen-) Essigessenz 25% auf 1l aufgefüllt (mit Brita-gefiltertem Wasser) <= Könnten da irgendwelche Salze ausfallen? Mein nächster Test wäre hier nur gefiltertes Wasser.
- zuerst Adofix Plus 1+4 mit Leitungswasser, jetzt probehalber 1+7 mit gefiltertem Wasser => keine Verbesserung
- Wässerung Ilford-Methode mit Leitungswasser, inzwischen aufgebohrt auf 5x-10x-20x-30x, plus vorher und nachher und zwischen jedem Kippturnus noch gut ausspülen
- Netzmittel: wenige Tropfen Adoflo in entmineralisiertem Wasser
-Film aufhängen und einfach trocknen lassen

So habe ich keine Trockungsflecken oder Kratzer, nur diese blöden Klunker. Ich weiß nicht, ob die sich erst beim Trocknen bilden oder vorher schon entstehen, deshalb hadere ich mit dem Abstreifen.

Hat jemand so was schon mal gehabt? Was war die Lösung? Wenn nicht, was könnte es sein?

Danke und viele Grüße
Christoph


.jpg   sw-film_kristalle.jpg (Größe: 178,83 KB / Downloads: 6)
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#2
...ich nehme seit mehr als fünfzig Jahren nur Leitungswasser als Stoppbad - hat immer funktioniert... Ich bin zwar kein Chemiker, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass das saure Stoppbad mit dem Entwickler irgendwie unerwünscht reagiert...
Gruß

Wolf
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#3
Hallo Christoph,


herzlich willkommen hier im Forum.
Es ist nicht schön, daß Dein (Wieder)-Einstieg in die analoge Fotografie durch solche Probleme bei der Entwicklung Diener Filme erschwert wird.
Gemeinsam werden wir den Fehler schon finden.

So große Partikel auf auf dem Film sind schon ungewöhnlich.
Nach meiner Einschätzung kommen folgende Ursachen in Betracht:
1. Entwickler (eventuell nicht mehr ganz frisch oder ungünstig gelagert).
2. Fixierbad
3. Leitungswasser (Kalk)

Zur Fehlersuche:
bitte zur Sicherheit einmal jedes angesetztes Bad einmal kräftig aufschütteln und in ein Glas schütten.
Sind irgendwelche Schwebstoffe zu erkennen?
Bitte genauso eine Wasser-probe prüfen. Manchmal löst sich Kalk aus den Leitungen.

Wenn diese Tests ohne Befund sind (was ich mal vermute), dann können wir einen Schritt weiter gehen.
Wann hast Du Deine Negativ-Entwickler angesetzt?



Herzliche Grüße
Klaus
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#4
Hallo und Danke für die Antworten!

Den Entwickler hatte ich vor rund zwei Wochen angesetzt. Da war es noch sehr heiß, und ich hatte gedacht, dass das entmin. Wasser auch die ~30° C Raumtemperatur angenommen hat - Pustekuchen, ich musste ewig rühren, und beim Messen waren es dann nur rund 25°. Jedenfalls hatte ich danach sehr paranoid auf Schwebstoffe geprüft, alles war glasklar. Jetzt beim von Herr Wehner angeordneten Schwenktest (Raumtemperatur knapp 20° C) sind tatsächlich bei ganz genauem Hinschauen winzigste Partikel in der (noch unbenutzten) Stammlösung sichtbar. Ähnlich ist das bei Stop- und Fixierbad, die sind aber aktuell 4 Filme alt.

Die Stammlösung verteile ich nach dem Ansetzen auf vier 250ml-Fläschchen, und es könnte sein, dass die Kristallbildung immer dann besonders stark war, wenn ich den Rest eines Fläschchens Stammlösung verwendet habe, wo sich die Partikel am Boden abgesetzt haben. Ich weiß leider auch nicht mehr genau, ob ich bei den Pan F, die am Ende keine Kristallablagerungen hatten, statt Stoppbad nur Wasser genommen habe (anfangs hatte ich ein paar Filme so entwickelt, bei den heißen Temperaturen und kürzeren Entwicklungszeiten war mir das mit Stoppbad aber lieber). Daraus könnte man die Hypothese ableiten: Partikel in der Stammlösung, die bei Kontakt mit der Essigsäure weiter ausfallen und dann diese Kristalle bilden. Lösungsmöglichkeiten: Stammlösung vor dem Verdünnen filtern (wie? Kaffeefilter wohl eher nicht?), nach dem Entwickeln sehr gut mit Wasser spülen wie Wolf schreibt statt Stoppbad. Vor dem Wochenende komme ich wahrscheinlich nicht dazu.

Natürlich beim nächsten Ansetzen von Stammlösung auf die 30° und ganz genau auf vollständige Auflösung achten.

Viele Grüße
Christoph
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#5
Danke, Christoph!

Damit sind wir schon einen Schritt weiter.

Du hast alle 3 Lösungen mit demin. Wasser angesetzt?
Dann ist es möglich, daß die nicht gelösten Partikel aus dem Entwickler in die beiden anderen Bäder verschleppt worden sind.

Das Phenidon im Negativ-Entwickler löst sich nur schwer in Wasser. 

Vielleicht kontrollierst Du Deine Negative noch einmal genau:
Wenn Du die Kristalle manuell entfernt hast, sind dann eventuell schwarze Flecken auf den Negativ zu erkennen?

Man kann in manchen Fällen in der Tat auf das Stoppbad verzichten.
Dann würde ich aber zur Sicherheit immer mit der "Zwei-Bad Fixier Methode" fixieren.
Das sorgt für sichere Ergebnisse und nutzt die Bäder immer komplett aus.

Herzliche Grüße
Klaus
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#6
Hallo Klaus,

das aktuelle Stopp- und Fixierbad hatte ich mit Brita-gefiltertem und ein paar Tage abgestandenem Wasser gemischt. In der Wasserflasche sind keinerlei Schwebteilchen zu sehen. Es scheint plausibel, dass die Partikel in Stopp- und Fixbad aus dem verpfuschten Entwickler kommen.

Wenn ich auf einem betroffenen Negativ kräftig herumreibe, gehen manche der Kristalle spurlos ab, bei anderen bleiben im Negativ schwarze Rückstände - siehe Bilder (ganz vor der "Reinigung", dann ein so'n Ding als Ausschnitt vor und dann der Ausschnitt neu gescannt nach der Entfernung). Oberflächlich erkenne ich an der Stelle mit dem Fadenzähler keine Rückstände mehr.

Diese Stammlösung reicht noch für zwei Filme, ich bin gerade eh nur am Rumtesten mit meinen Kameras (an denen 20 Jahre Dornröschenschlaf auch nicht spurlos vorübergegangen sind...) - da probiere ich es mal ohne Stoppbad und mit vorsichtig abgegossener Stammlösung.

Viele Grüße
Christoph


.jpg   01.jpg (Größe: 33,78 KB / Downloads: 6)
Ausschnitt Kristall



.jpg   02.jpg (Größe: 35,66 KB / Downloads: 6)
Ausschnitt entferntes Kristall


.jpg   2020-08-30_27.jpg (Größe: 481,77 KB / Downloads: 8)
ganzes ungereinigtes Bild
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#7
...mal andersherum gefragt - hat es einen besonderen Grund, warum es gerade Fomadon Excel sein muss? Ich habe den auch schon mal ausprobiert - in der Hoffnung, dass damit der 200er Foma wirklich 200 ASA erreicht. Hat er aber nicht - aber das ist ein anderes Thema... Ansonsten ist mir der Entwickler nirgendwo jetzt besonders positiv aufgefallen als dass ich auf ihn nicht verzichten könnte. Auch seine Verwandtschaft mit dem XTOL machte mir eine schlechtes Gefühl - Stichwort "sudden death" - kurz: Probier' doch einfach mal 'ne andere Suppe - D-76 bzw. ID-11 (was das gleiche ist) würde ich vorschlagen - vielleicht sind deine Probleme damit vom Tisch...
Gruß

Wolf
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#8
Hi Christoph,

danke für Deine rasche Antwort.
Damit haben wir den Verursacher des Fehlers gefunden. Es ist der Negativentwickler gewesen.

Ich teile durchaus die Vorbehalte von Wolf gegenüber dem verwendeten Negativentwickler.
Der Beschaffungspreis mag zunächst gering sein, aber man alle Ausfälle und den Ärger mit kalkuliert, so sieht die Rechnung doch deutlich ungünstiger aus.

Nur am Rande: D-76 und ID-11 enthalten Problemstoffe, die heute eigentlich nicht mehr verwendet werden sollten.
Man  muß schon genau überlegen was man verwendet.

Ich schreibe Dir eine mail dazu.

Herzliche Grüße
Klaus
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#9
Hallo zusammen,

gestern habe ich wieder einen Foma 200 entwickelt. Vorher die problematische Stammlösung tatsächlich durch einen Kaffeefilter laufen lassen, in der Mensur waren dann keine Schwebteilchen mehr zu sehen. Und statt Stoppbad mit ~1l gefiltertem Wasser gespült. Nachher waren wieder solche Kristalle auf dem Film, aber viel weniger und kleiner, und vor allem ließen sie sich relativ widerstandslos mit einem Tuch entfernen. Trotzdem unbefriedigend.

Habe bis eben noch geschwankt, ob ich es nochmal mit einem ganz vorsichtig angesetzen Excel probieren soll. Weil ich finde das schon schick, was dabei rauskommt - zum Scannen jedenfalls. Wenn das erlaubt ist, bei dem Foma-200-Bild (Flickr) von gestern habe ich nur ein bisschen Schmutz rausgestempelt und sonst nichts gemacht; der Scanner belichtet nach "Auto-Levels" - wenn ich das richtig verstanden habe, macht er ungefähr Weiß weiß und Schwarz schwarz und verteilt die Graustufen gleichmäßig dazwischen. Dafür, dass ich die Belichtung beim Fotografieren Pi mal Daumen geschätzt hatte (das war ein Test mit einer Zorki), gefällt mir das jedenfalls gut. In Excel habe ich inzwischen von Pan F bis gepushtem HP5+ (ISO 1600) entwickelt, und mir gefallen die Ergebnisse - bis auf die Flecken.

Ich habe auch meine anfangs entwickelten und gescannten Negative durchgeschaut (vor der Kristall-Problematik) - da hatte ich ganz allgemein mit Staub zu kämpfen. Viel davon sind eindeutig Staubfusseln, es könnten aber auch solche kleineren Kristalle dabei sein.

Wie auch immer, nachher schaue ich in der Stadt, ob ich einen ID-11/D76 kriege, dann probiere ich es mal damit. Die restliche Excel-Stammlösung und die anderen Bäder kommen jedenfalls weg. Die Problemstoff-Problematik gibt mir schon auch zu denken - die Alternativen werde ich dann schon auch gern mal probieren ;-).

Viele Grüße
Christoph
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#10
Hallo Christoph,

die Flecken sind aller Wahrscheinlichkeit nach durch den Entwickler verursacht.
Allerdings würde ich auch erwarten, daß nach dem abfiltrieren der Lösung das Problem verschwindet.

Ich will Dir Deinen Lieblingsentwickler auch nicht ausreden!
Wenn Du das Gefühl hast damit gut klar zu kommen, dann bleibe dabei.
Es ist gut sich mit einem Material vertraut zu machen und dann genau die Ergebnisse zu bekommen, die man anstrebt.

Meine Arbeitsweise ist rein analog. Da wären solche Flecken auf dem Negativ ein völliges Ausschlußkriterium.
Analog wäre das ein irreparabler Schaden.

Jeder hat halt unterschiedliche Ansprüche und Erwartungen.

Herzliche Grüße
Klaus
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